Artikelreihe Automobile Persönlichkeiten: ein Porsche Typ 32 aus dem Jahr 1934

Der Ur-Käfer

Was einst als Vision eines erschwinglichen Familienwagens begann, wurde zum Urmodell eines automobilen Klassikers: dem Vorläufer des legendären Käfer.
AUTOR: KATHARINA AURELIA SCHMIDT
FOTOS: AUTOSTADT
16.06.2025

Die Erfolgsgeschichte des VW Käfers beginnt nicht mit seiner Serienproduktion, sondern mit einem kaum bekannten Prototyp, dem Porsche Typ 32. Fast ein Jahrzehnt bevor der erste Käfer auf die Straßen rollte, arbeitete Ferdinand Porsche im Auftrag der NSU Motorenwerke an einem Fahrzeug, das die Idee eines erschwinglichen, alltagstauglichen Familienwagens erstmals greifbar machen sollte.

Schon in den 1920er-Jahren formulierte Porsche, damals Chefkonstrukteur bei Daimler, die Idee eines Volksautomobils: ein Wagen für vier Personen, windschnittig, robust und bezahlbar. Mit der Entscheidung Porsches, sich selbstständig zu machen, änderten sich auch seine Möglichkeiten für die Weiterentwicklung seiner Vision. Porsche beginnt die Zusammenarbeit mit der Firma Zündapp, für die sie einen Prototypen herstellen. Doch aufgrund der hohen Investitionssumme kommt es zuerst nicht zu einer Serienfertigung. Erst mit der Kooperation Porsches und dem „NSU R-Rad Vereinigte Fahrzeugwerke AG“ kommt der Durchbruch für den Typ 32. In Rekordzeit liefert das Porsche-Konstruktionsbüro Entwürfe für ein Mittelklassefahrzeug mit luftgekühltem Vierzylinder-Boxermotor im Heck, charakteristischer Käferform und innovativer Drehstabfederung, technische Merkmale, die später Markenzeichen des Käfers werden sollten.

3

Stückzahl

115 km/h

Höchstgeschwindigkeit

Unverkäuflicher Prototyp

Neupreis

Drei Versuchsfahrzeuge wurden gefertigt, jedes mit eigener Karosseriebauweise. Die Probefahrten bestätigen das Potenzial des Prototyps: 115 km/h Spitzengeschwindigkeit, für damalige Verhältnisse bemerkenswert. Zwei Gründe führen 1935 zum Abbruch des Projekts. Der Prototyp verzeichnet technische Komplikationen wie brechende Torsionsstäbe. Auch die benötigten zehn Millionen Reichsmark für die Serienproduktion kann NSU nicht aufbringen. So gerieten die Prototypen für 13 Jahre in Vergessenheit, bis einer von ihnen eine zweite, unerwartete Karriere begann. In den Wirren der Nachkriegszeit lagerte NSU Motorenwerke historische Fahrzeuge, darunter den Typ 32, in einer Scheune des Schloss Friedrichsruhe bei Heilbronn ein. Dort überstand er Krieg und Nachkriegszeit, verborgen und nahezu vergessen.

Erst 1948 erwachte der Wagen zu neuem Leben, als Karl Schröder, langjähriger NSU-Techniker, das Fahrzeug erwarb. Zu dieser Zeit war der Volkswagen Käfer bereits auf dem Weg das beliebteste Fahrzeug seiner Zeit zu werden – auch dank vieler Eigenschaften, die für den Typ 32 erdacht wurden. Schröder schloss den Ur-Käfer allerdings sofort ins Herz, restaurierte ihn liebevoll in Eigenregie, improvisierte fehlende Bauteile, beispielsweise mit Scheinwerfern aus Konservendosen. Nach einigen Jahren machte ihm die Ersatzteillage und der Wartungsaufwand allerdings zunehmend zu schaffen. 1956 tauschte Schröder das rare Einzelstück gegen einen neuen Käfer ein und übergab damit den letzten fahrtüchtigen Typ 32 an Volkswagen. Dort wanderte der Wagen zunächst in die werkseigene Sammlung.

Nur das Nötigste: Armaturenbrett des Typ 32 Prototypen besitzt nur die grundlegendsten Elemente.

Seit dem Jahr 2000 gehört der Prototyp zur Sammlung des Zeithaus Automobilmuseums in der Autostadt. Ein visionärer Meilenstein und Wegbereiter der Mobilitätsgeschichte. Momentan schlummert der Typ 32 im Depot des Zeithaus und wird nur zu besonderen Anlässen ausgestellt.

Über weitere „Automobile Persönlichkeiten“ des Autostadt Zeithaus lesen Sie hier:
Folge 1: Das Beutler „Spezial-Cabriolet“
Folge 2: Das Käfer-Bähnle
Folge 3: Der motorisierte Butler
Folge 4: Der Auswanderer
Folge 5: Das Geheimnis des Dornröschens

Ein besonderer Dank geht an Pablo Rother, Oldtimer-Experte im Autostadt Zeithaus, für die Beratung und Recherche zu allen Automobilen Persönlichkeiten!