Tour und Turm

Wenn der Park im Frühling aufblüht, beginnt eine Tour mit überraschendem Ein- und Ausblick: Die Turmfahrten sind ein Erlebnis, das sich mit jeder Jahreszeit wandelt und überragende Perspektivwechsel bietet.
Text: Simone Willmann
Fotos: Janina Snatzke
25.03.2026

Die Piazza wirkt an diesem Morgen wie verwandelt: Durch die farbig folierten Glasflächen fällt das Licht in sanften, schimmernden Tönen auf den Boden. „Das verändert sich im Laufe des Tages“, erklärt uns Tourguide Ana-Maria Hrib lächelnd zur Begrüßung. Und tatsächlich: Die Architektur scheint hier mit dem Licht zu spielen. Die Installation „Colours of Light“ taucht den Raum in wechselnde Farbstimmungen und macht schon den Start der Tour zu etwas Besonderem.

Es gibt viel zu entdecken beim Frühling in der Autostadt – schon ein paar Meter weiter lässt sich an einem riesigen, drehbaren Osterei experimentieren. „Hier geht ein Punkt spazieren“, interpretiert es Ana-Maria kunstvoll. Dieses Linien-Ei ist eines von rund 40 Riesen-Ostereiern, die gerade überall in der Parklandschaft verteilt sind.

Autorin Simone Willmann beim beschriften des drehbaren Ostereis
Simone Willmann beim Gespräch mit Tourguide Ana-Maria Hrib
Das Spiegel-Ei am Porsche Pavillon
Willmann und Hrib beim Gang durch die Parklandschaft mit riesigen Ostereiern im Hintergrund

Architektur trifft Frühling

Durch witzig mit Fotografien dekorierte Drehtüren, die das Künstlertrio Mentalgassi in überdimensionale Gesichter verwandelt hat, geht es hinein in den Park. Darin zeigt sich die Autostadt in diesem Frühling von ihrer kreativen Seite: 13 hochragende Monolithen bilden moderne Leinwände für 21 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt, die bei unserem Besuch live am Werkeln sind. Ein offenes Atelier, in dem Kunst nichts Abgeschlossenes ist, sondern ein Prozess, den man direkt miterleben kann.

Zeit für eine kurze Pause: Ein warmes Getränk in den Händen, ein Moment zum Innehalten und Genießen. Die Stimmung in der Führung ist vertraut und fühlt sich weniger wie ein klassischer Rundgang und mehr wie eine gemeinsame Entdeckungsreise an.

Der Weg führt weiter vorbei an bekannten Orten, die im Frühling eine ganz eigene Wirkung entfalten. Unter dem geschwungenen Dach des Porsche-Pavillons ist das "Spiegel-Ei" installiert: Wie eine Diskokugel zaubert es flackernde Lichtreflexe in diesen wunderbaren Raum, der sich im Sommer zur Konzertbühne verwandelt.

Ana-Maria erklärt uns das architektonische Zusammenspiel aus harten und weichen Linien: Bäume, Wege und Wasserlinien verschmelzen zu einem harmonischen Gesamtbild aus Architektur und Natur. Wir nähern uns den fast 50 Meter hohen Autotürmen mit ihren rund 1.000 Glasscheiben – die Vorfreude steigt.

Die Autotürme ragen vom Boden aus betrachtet in die Höhe
Willman und Hrib sitzen in der Panoramakabine, die sie gleich nach oben befördern wird.

Das Highlight

Nun geht es hoch hinaus: die Turmfahrt. Wir sitzen in einer Panoramakabine mit Blick nach draußen. Für knapp zwei Minuten dürfen wir uns wie ein Neuwagen fühlen. Genau wie die Fahrzeuge holt eine der herausfahrbaren Shuttleplattformen unsere Glaskabine ab und schraubt uns in sanften Drehungen in die Höhe. Meter für Meter öffnet sich der Blick über die Autostadt. Aus 48 Metern eröffnen die Türme vollkommen neue, buchstäblich überragende Perspektiven.

Oben angekommen, bietet sich ein Panorama, das überrascht. Ein traumhafter Ausblick über die Stadt, vom Schloss Wolfsburg über die VfL-Arena quer durch die Autostadt über die Ellipsen des Designer Outlets Wolfsburg bis hin zur Porschestraße erschließt sich die gesamte, nach dem Architekten Koller, benannte städtebauliche Achse. Die Landschaftsarchitektur der Parklandschaft entfaltet ihre Struktur – Formen und Wege ergeben ein großes Ganzes.

Willmann und Hrib beim Gespräch in der Panoramakabine
Blick im Inneren eines der Türme auf dutzende Autos, die im Turm auf ihre Abholung warten
Willmann und Hrib blicken, oben angekommen, durch die Scheibe des Turms auf das Autostadtgelände
Blick auf das Konzernforum aus dem Turm heraus
Die Autotürme in der Autostadt vor blauem Himmel

Und genau hier wird deutlich, was die Turmfahrt so besonders macht: Der Blick ist einmalig aber nicht immer der gleiche. Er verändert sich mit jeder Jahreszeit. Im Frühling ist die Aussicht farbenfroh, lebendig und voller Überraschungen. Doch wie mag es von hier wohl im Sommer, Herbst oder Winter aussehen?