Tatsächlich liegt das System gut geschützt in einer unscheinbaren, verschlossenen Metallkiste. Einmal jährlich wird es gewartet. Gemeinsam mit dem Brandschutzteam der Autostadt, Mitarbeitenden, der Werkfeuerwehr und Spezialisten der Firma Axel Thoms Lebensrettungseinrichtungen aus Bad Bramstedt wird dann getestet, ob im Ernstfall alles funktioniert und jeder Handgriff sitzt. Und spätestens an diesem Punkt wird klar: Hinter der spektakulär klingenden Idee steckt erstaunlich viel Ingenieurskunst. Denn niemand muss im Ernstfall über eine Brüstung klettern oder in die Tiefe schauen. Der Schlauch wird mit einem speziellen Einstiegsbügel direkt über die Dachkante geführt. Der Einstieg erfolgt geschützt von oben – fast wie durch einen Tunnel.
Wer bei „Rettungsschlauch“ an freien Fall denkt, liegt falsch. Stattdessen sorgt eine eingenähte Stoffspirale dafür, dass man kontrolliert nach unten gleitet. Oder wie Hersteller Axel Thoms das System beschreibt: eine „Wendeltreppe aus Textil“. Das klingt technisch – fühlt sich aber vor allem erstaunlich durchdacht an. Auf den 48 Metern abwärts dreht man sich insgesamt 26 Mal um die eigene Achse. Trotzdem bewegt sich alles deutlich langsamer, als man vermuten würden: Mit ungefähr sieben Stundenkilometern rutscht man kontrolliert nach unten. Schnell genug, um zügig unten anzukommen – langsam genug, damit aus der ersten Nervosität keine Panik wird. Unten angekommen, bleibt neben dem nicht zu leugnenden Adrenalin-Kick vor allem ein Gedanke: Wie clever diese Lösung eigentlich ist.