Der Volkswagen ID.7 während der Erlebnisfahrt

Es hat gefunkt

In entspannter Atmosphäre ein Elektroauto fahren und all die Fragezeichen zu Laden und Reichweite aus dem Kopf bekommen? Das bietet die Autostadt mit der Erlebnisfahrt Elektromobilität. Unsere Autorin Bianca Leppert war danach ganz elektrisiert.
Text: Bianca Leppert
Fotos / Video: Jan Kapitän / Alexander Ronsdorf
03.06.2025

Gleich neben dem Servicehaus der Autostadt sitzen zwei Männer vor dem Café „Das Brot“ in der Sonne. Sie genießen ihren Cappuccino und diskutieren über Elektroautos und die Zukunft der Mobilität. Ich muss lächeln, schließlich sitze ich bei der von mir gebuchten Erlebnisfahrt gleich selbst im elektrisch angetriebenen VW ID.7. Ich spaziere noch einige Meter weiter bis zum vereinbarten Treffpunkt im Bereich der Driving Experience. Instruktorin Sylvia Hildebrandt wird mich auf meiner Fahrt begleiten. Seit 25 Jahren arbeitet sie für die Autostadt, früher im Chauffeurdienst und seit vier Jahren im Team der Driving Experience. Die 59-Jährige ist täglich mit Kunden unterwegs. Sie können zwischen den Schwerpunkten „E-Mobilität“, „Assistenzsysteme“ und „Premierenfahrt Fahrzeugabholung“ wählen. Jedes Angebot dauert rund eine Stunde und kostet zehn Euro – ein Preis, der es mir allemal wert ist. Denn ich gebe zu: Allein im Auto hätte ich auch noch ein bisschen Berührungsängste mit dem Thema Elektromobilität, bisher war ich nur Beifahrerin.
Gewöhne ich mich vom manuellen Schalten direkt an die Automatik? Finde ich alle Knöpfe? Wie funktioniert das mit dem Laden? Diese und viele andere Fragen schwirren mir durch den Kopf.

Sylvia nimmt mir mit ihrer offenen Art sofort die Bedenken. „Das macht total Spaß“, sagt sie und zeigt einladend auf den grauen ID.7 GTX Tourer, der auf dem Parkplatz steht. „340 PS, von 0 auf 100 km/h in 5,4 Sekunden, 460 Newtonmeter Drehmoment. Und Allradantrieb.“ Ihre energiegeladene Gestik verrät: Sie liebt und lebt, was sie tut. Und das ist ansteckend. Ich habe keine Hemmungen mehr, all meine Fragen zum Thema Laden zu stellen. Vor der Fahrt zeigt sie mir die verschiedenen Ladekabel, wie das AC-Ladekabel, das immer dabei ist, oder das Kabel für den Hausstromanschluss, das mich an einen Dampfglätter erinnert. Wir müssen beide lachen, als ich das laut sage. Und ich lerne dazu: Immer nur 5 bis 80 Prozent laden – wie beim Handy. Mit dem AC-Ladekabel dauert es rund neun Stunden, mit einem Schnellladeanschluss etwa 26 Minuten. Die Ladestationen auf meiner Strecke kann ich mir während der Fahrt im Display anzeigen lassen – inklusive der Zeit, die ich zum Laden benötige. Wir geben München als Ziel ein, und schon sehe ich die freien Ladestationen und ihre jeweilige Ladeleistung. Das beruhigt.

Im Innenraum fühle ich mich sofort wohl. Das große Display hat fast die Größe eines Laptop-Bildschirms, ist aber sehr übersichtlich – wie eigentlich alles hier drin. Kein Schalter-Tohuwabohu, stattdessen die überraschende Funktion, den Himmel per Slider lichtdurchlässig oder milchig zu machen. „Das begeistert vor allem die Kinder“, sagt Sylvia und wischt über die entsprechende Taste. Bei den Erlebnisfahrten hat sie manchmal komplette Familien an Bord, junge Frauen, ältere Menschen – das Publikum ist bunt gemischt. In grünen Buchstaben leuchtet das Wort „Ready“ im Display vor mir auf. Das bedeutet, dass der Motor bereit ist. Eine wichtige Info, schließlich höre ich den Motor nicht, nachdem ich zum Starten die Bremse betätigt und den Schalthebel auf D positioniert habe. Wir sind startklar – ich auf dem Fahrersitz, Sylvia auf dem Beifahrersitz. Ein bisschen fühle ich mich wie damals in der Fahrschule – nur dass es diesmal keine zweite Pedalerie gibt.

Mit einem leisen Summen stromern wir los. Die Strecke der Erlebnisfahrt ist rund 15 Kilometer lang. Mit bestimmter, aber höflicher Art dirigiert sie mich durch die verschiedenen Fahrmodi, etwa von D nach B, das für Rekuperation steht und bedeutet, dass maximale Energiegewinnung im Fokus steht und die Reichweite damit steigt. Ich merke, wie der ID.7 verzögert. „Das ist ein bisschen Geschmackssache, ob man lieber in D segelt oder in B Wert auf die Rekuperation legt“, sagt Sylvia. Was bei allen Fahrmodi gleich ist: das Gefühl, wenn man aus dem Stand voll auf das Gaspedal drückt und beschleunigt. „Das ist für viele das Highlight“, weiß Sylvia aus Erfahrung. Auch beim Überholen überrascht mich die sofortige Beschleunigung aus dem Nichts. In meiner Magengegend macht sich das gleiche Gefühl breit wie nach einer Achterbahnfahrt. Ich habe das andere Auto schon längst hinter mir gelassen, hätte längst wieder auf meine Spur fahren können, doch mein Gehirn kommt nur verzögert mit.

Innenraum des ID.7
Autorin Bianca Leppert und Autostadt Expertin Sylvia Hildebrandt auf dem Parkplatz neben dem ID.7

Auf einer längeren Geraden, vorbei an gelben Rapsfeldern, ermuntert mich Sylvia, den ACC-Modus, eines der Assistenzsysteme, einzuschalten – sozusagen Tempomat und Spurhalteassistent in einem. Mein Fuß zuckt immer wieder und ich will die Bremse antippen, doch ich werde ermutigt, dem ID.7 zu vertrauen. Das kostet ein bisschen Überwindung, aber ohne Zuspruch hätte ich es vermutlich nie ausprobiert. Damit bin ich in guter Gesellschaft, denn vielen anderen geht es genauso, wie Sylvia mir erzählt. Dafür ist die begleitete Erlebnisfahrt perfekt. Abgesehen davon ist es ja auch Sylvia, die auf dem Beifahrersitz vertrauen muss.

„Manchmal bin ich ein bisschen Psychologin“, sagt die Expertin und lacht. Ich weiß genau, wie sie das meint. Es gibt einfach mehr Vertrauen, wenn jemand mit Expertise neben einem sitzt. Auch in dem Moment, als wir den Travel Assist testen. Wie von Geisterhand lenkt der ID.7 entlang der Spurlinien durch die Kurven, hält die Geschwindigkeit und den entsprechenden Abstand. Es fühlt sich schon fast wie autonomes Fahren an. „Das wird auch unsere Zukunft werden“, meint Sylvia. Zurück auf dem Parkplatz direkt neben dem Café, in dem vorhin die beiden Männer noch über Elektromobilität philosophierten, verabschiede ich mich von meiner Begleiterin und dem ID.7. Und denke mir: Gerne würde ich ihnen jetzt sagen: Ich habe die Zukunft gerade im Hier und Jetzt erfahren. Und die macht ziemlich viel Spaß.


ALLES AUF EINEN BLICK

  • Die Erlebnisfahrten sind täglich zwischen 9.30 und 16 Uhr möglich.
  • Dauer: etwa 60 Minuten
  • Treffpunkt: 10 Minuten vor dem Termin im Bereich Driving Experience
  • Fahrerlaubnis: Klasse B erforderlich.
  • Fahranfänger ab 17 Jahren: Die im Führerschein eingetragene Begleitperson muss sich mit im Fahrzeug befinden.
  • Buchung unter: autostadt.regiondo.de/probefahrt-302920