Vom Polo zum ID. Polo: Geschichte einer Transformation

In der Autostadt treffen fünf Jahrzehnte Polo-Historie auf die elektrische Zukunft von Volkswagen. Wie ein vertrautes Modell zum Symbol einer neuen Ära wird.
TEXT: frank wald
FOTOS: Jewgeni Roppel / Ramon Haindl
02.12.2025

In der Autostadt liegen Vergangenheit und Zukunft des Polo nur wenige Schritte voneinander entfernt. Zwischen glänzend restaurierten Klassikern und dem neuen vollelektrischen ID. Polo wird sicht- und spürbar, was sich in 50 Jahren Modellgeschichte verändert hat, zugleich aber auch immer geblieben ist: Mobilität einem breiten Publikum zugänglich machen. „Was wir heute tun, ist vergleichbar mit dem Schritt vom Käfer zum Polo damals“, sagt Volkswagen-Chefdesigner Andreas Mindt. „Eine Transformation für ein breites Publikum und die Demokratisierung der E-Mobilität.“

Die Autostadt zeigt diese Erfolgsgeschichte wie ein lebendiges Archiv. „Außen klein. Innen groß“ – mit diesem Satz warb Volkswagen 1975 um die Kundschaft zum ersten Polo – einem kantigen, 3,50 Meter kurzen Kleinwagen, der den Übergang vom Käfer mit Heckmotor zum modernen Frontantrieb markierte. Mit 40 PS und klaren Linien traf er den Nerv einer Zeit, positionierte sich schnell als praktischer Begleiter für das Alltagsleben und eroberte es im Sturm: Über 1,1 Millionen Exemplare der ersten Generation entstanden bis 1981 in Wolfsburg.

Der Polo II, ab 1981, brachte mehr Raum, Komfort und Variantenreichtum mit Steilheck, Coupé und Derby mit Stufenheck. Technologisch ein früher Höhepunkt: der G-Lader des Coupé GT G40 von 1987, mit 115 PS eine Sensation im Kleinwagensegment. Die zweite Generation entwickelte sich zu einem echten Bestseller mit 2,7 Millionen produzierten Einheiten.

Der VW Polo I: mit klaren Linien, runden Scheinwerfern und samtigen Sitzbezügen entwickelte er sich in den 1970er-Jahren schnell zum Publikumsliebling.

1994 folgte Polo Nummer drei, moderner, sicherer und erstmals als Fünftürer erhältlich. Airbags, ABS und Gurtstraffer hielten Einzug. Und er brachte vielleicht die schillerndste aller Polo-Ikonen hervor: den Polo Harlekin von 1995, dessen bunte Karosserieteile bis heute Kultstatus haben. 1998 dann der nächste emotionale Meilenstein: der erste Polo GTI mit 125 PS, mit dem der Kleinwagen endgültig zur Fahrspaß-Ikone wurde.

Ab 2001 setzte der Polo IV auf Größe und Komfort, mit neuen Klarglasscheinwerfern, mehr Breite, mehr Kofferraumvolumen und einer Palette moderner Motoren. Der Cross Polo fügte dem Segment ein Hauch Abenteuer hinzu, während der extrem effiziente BlueMotion Maßstäbe in Sachen Verbrauch setzte.

Die fünfte Generation (2009) digitalisierte den Polo und führte ihn gleichzeitig an den Motorsport heran. Die Krönung war der Polo R WRC. Vier Weltmeistertitel in Folge zwischen 2013 und 2016 machten den Kleinwagen zur globalen Rallye-Legende. 2017 startete der Polo VI auf MQB-Basis – größer, vernetzter, sicherer denn je. Mit Assistenz-Features aus höheren Fahrzeugklassen zeigte er, wie erwachsen und groß der „Kleine“ geworden ist.

Heute, 50 Jahre nach seinem Debüt, beginnt mit dem ID. Polo eine neue Ära mit vertrauten Stärken in punkto Design, Funktionalität, Qualität und Bezahlbarkeit. In der Neuerfindung des Bestsellers bleibt die breite C-Säule bestehen, physische Bedientasten kommen zurück, ein Plus an Raum und innovative Ideen bringen frischen Wind. Als erstes Modell der elektrischen ID.-Reihe trägt es außerdem wieder einen Namen. „Ein Modell wie der Polo zeigt, wie kraftvoll ein Name sein kann“, so Mindt. „Genau deshalb geben wir auch unseren ID.-Modellen wieder Namen, die im Alltag der Menschen verankert sind.“ 2026 folgt sogar eine elektrische Neuauflage der Sportlegende: der ID. Polo GTI.

In der Autostadt treffen all diese Kapitel aufeinander – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der Weg vom Polo zum ID. Polo zeigt: Transformation kann auch vertraut wirken. Und manchmal beginnt die Zukunft mit einer Erinnerung.

Mit seinem unverwechselbaren Design, geprägt von den großen Rundscheinwerfern und dem schlichten Kühlergrill, eroberte der VW Polo ab 1975 die Straßen und die Herzen.
Charmante Details: das „Polo LS“-Eblem erzählt von der Designsprache der 70er-Jahre.
Der Polo Edition 50: Energieverbrauch kombiniert: 5,6-5,1 l/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 129-116 g/km; CO₂-Klasse: D.
Scharf geschnittene LED-Scheinwerfer und der Blick ins Innere des Polos zeigen sein modernes Design.
Die markante Front des Polo R WRC steht für geballte Leistung und Motorsport-DNA.
Das aerodynamische Heck und die expressive Folierung lassen schnell erkennen, dass dieses Modell dem Rennsport entstammt.
Das aktuellste Kapitel der Polo-Geschichte: der vollelektrische ID. Polo.

Andreas Mindt, 1969 in Bingen geboren, startete nach dem Studium an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim 1996 seine Laufbahn bei Volkswagen. Sein erstes Projekt, das Concept Bentley Hunaudières, wurde 1999 auf dem Genfer Autosalon vorgestellt. In den folgenden Jahren prägte Mindt wichtige Modelle des Konzerns mit, darunter die erste Generation des Tiguan sowie das Exterieur-Design des Golf VII. Zwischen 2014 und 2021 verantwortete er bei Audi die strategische Neuausrichtung des Außendesigns. Im Anschluss zeichnete Mindt als Director of Bentley Design verantwortlich. Seit Februar 2023 gestaltet er als Leiter Volkswagen Design die zukünftige Formensprache des Unternehmens maßgeblich mit.

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