Die Rennfahrer Hans-Joachim Stuck und Benny Leuchter

Treffen der Generationen

Zum 50. Jubiläum der Golf GTI Reihe versammeln sich auf dem Sicherheitsparcours der Autostadt vier Generationen des Kultautos und zwei Spitzenfahrer. Ihr Ziel: Herauszufinden, was den GTI auch nach einem halben Jahrhundert noch unverwechselbar macht.
Text: Torsten Schlegel
Fotos / Video: Jan Kapitän / Henrik Heutgens
25.06.2026

Entgegen der Vorhersage scheint die Sonne an diesem Morgen auf den Asphalt und setzt die Ahnengalerie eindrucksvoll in Szene: ein weißer GTI 1 von 1978, die dritte Generation von 1993 in Erdbeerrot, ein silberner Fünfer von 2003 und der neue GTI Edition 50 von 2026 in Schwarz. Daneben zwei Fahrer, die den GTI in all seinen Varianten bestens kennen.

Hans-Joachim Stuck, Baujahr 1951, wurde 1985 Endurance-Fahrer-Weltmeister, gewann das 24-Stunden-Rennen von Le Mans und wurde Deutscher Tourenwagen-Meister. Beim Anblick der Autos erinnert er sich, wie er einen der ersten GTIs als Privatwagen zu einem seiner Formel 1 Rennen fuhr und einer der anderen Fahrer so beeindruckt von dem neuen Modell war, dass er ihm spontan für zwei Tage seinen Ferrari Daytona zum Tausch anbot. Stuck beendete 2021 seine aktive Rennkarriere, nachdem er im selben Jahr noch Vize-Europameister GT2 auf KTM X-Bow wurde. Er bleibt aber hinter den Kulissen im Motorsport aktiv und freut sich sichtlich über jede Gelegenheit, selbst wieder Gas zu geben. Benny Leuchter, ebenfalls Rennfahrer sowie Volkswagen Test- und Entwicklungsfahrer, holte in der Autostadt sein erstes eigenes Auto ab, einen GTI 6. In dem Edition 50 GTI der 8. Generation, neben dem er heute steht, stellte er erst vor Kurzem einen Rekord auf: Die schnellste Runde eines frontgetriebenen Serienfahrzeugs auf der Nürburgring-Nordschleife.

Hans-Joachim Stuck steht vor einem weißen Golf 1 GTI
Benny Leuchter sitzt am Steuer des weißen Golf 1 GTI
Hans-Joachim Stuck (links) und Benny Leuchter (rechts): Zwei Rennprofis, die eine Liebe für GTIs teilen.

An diesem Tag steigt Stuck in die Jubiläumsedition und der 38-jährige Leuchter in den GTI der ersten Generation. Der Oldtimer zeigt zunächst Alterserscheinungen und springt nicht an. Doch Autostadt Depot-Experte Maik Döblitz ist zur Stelle und weiß, wie man dem Klassiker auf die Sprünge hilft: „Neu starten und das Gas voll durchdrücken”, ruft er Leuchter zu. So erwacht der Einser sofort zum Leben. Stuck und Leuchter testen die GTIs ausgiebig auf dem Parcours. Im Slalom, dicht hintereinander, um Pylone und knapp an den Wasserfontänen vorbei. Auch mitten durch die Wasserwand hindurch, beide mit präzisem Stopp auf der nassen Fahrbahn.

Für die Kameras müssen die Fahrmanöver mehrmals wiederholt werden. Den Rennfahrern macht das nichts aus – im Gegenteil, sie schlagen selbst neue Szenen vor. „Stellt euch mal hinter dem Hügel an der Seite auf, wenn wir da richtig schnell drüberfahren, hebt man mit dem Auto tatsächlich ein bisschen ab”, sagt Leuchter. Gesagt, getan. Stucks Urteil: „Das war jetzt schon geil”. Produktionsteam und Fahrer freuen sich gleichermaßen über das Ergebnis.

Neben ihren Fahrkünsten bringen Leuchter und Stuck auch ihre GTI-Expertise in die Autostadt mit. Zwischen den Fahreinsätzen sind sie durchweg am Fachsimpeln und tauschen sich über ihre Erfahrungen mit den Fahrzeugen aus. Die beiden kennen und schätzen sich. Leuchter nennt Stuck ausschließlich bei seinem Spitznamen „Strietzel“. Sie scherzen und richten sich gegenseitig Frisur und Kleidung für die Fotos. Beim Thema GTI herrscht sowieso Einigkeit bei ihnen: „Dass man in einem GTI sitzt, merkt man innerhalb einer Sekunde, beim Gas geben. Schon im ersten Modell ist das unverwechselbar, diese typische Power“, sagt Leuchter. Stuck stimmt zu. Was den GTI für die breite Masse so attraktiv macht, ist laut beiden, dass er Sportwagen und Alltagsfahrzeug zugleich ist. „Jede Generation ist besser geworden. Von der Technik, der Ausstattung. Aber das Feeling ist immer gleichgeblieben“, sagt Stuck. Kein Wunder, dass sie sich auch bei der letzten Frage einig sind: Wie sieht die Zukunft des GTI aus? Das einzigartige Fahrgefühl muss der Leitstern bleiben. Ob elektrisch oder als Benziner – der Rat der GTI-Kenner: „Genauso weitermachen!“

Der Golf 1 GTI, beim Durchfahren der Wasserfontäne auf dem Sicherheitsparcours
Stucks Hände am Lenkrad des Golf GTI Edition 50
Geteiltes Bild: links, ein Bremslicht des Golf GTI Edition 50 in Nahaufnahme – rechts, dasselbe Fahrzeug beim durchqueren der Wasserfontäne
Stuck sitzt auf der Motorhaube des Golf 1 GTI, Benny Leuchter auf der des Edition 50, hinter ihnen spritzt die Wasserfontäne
Geteiltes Bild: links, der Edition 50 beim Durchfahren der Fontäne – rechts, beide Fahrer am Steuer der Fahrzeuge
Der alte und neue GTI bei der Fahrt entlang des Sicherheitsparcours
Der alte und neue GTI bei der Fahrt entlang des Sicherheitsparcours
Nahaufnahme eines Sitz des Golf 1 GTI, auf dem der Schriftzug „Autostadt“ als Schatten auf dem Karomuster des Sitzes erkennbar ist

Nachdem alle Tests auf dem Sicherheitsparcours bestanden sind, geht es für Stuck und Leuchter zur Mittagspause in die Autostadt. Dorthin kehren beide immer wieder gerne zurück. Vor allem natürlich um Autos zu bewundern – aber Stuck schwärmt auch ganz generell von den vielen Attraktionen und sagt lachend:„Hier könnte man auch gut wohnen.“ Ihr Besuch heute ist leider nur kurz, denn direkt nach der Mittagspause haben die beiden tatsächlich einen zweiten Termin auf dem Sicherheitsparcours. Kann das selbst Rennfahrer irgendwann zu viel werden? Scheinbar nicht, denn Stuck und Leuchter scherzen und fachsimpeln munter weiter. Es gibt offensichtlich Schlimmeres als einen Tag lang GTI fahren zu dürfen.