Was sind für Sie wichtige Aspekte bei einer gelungenen alkoholfreien Essensbegleitung?
Für mich müssen alkoholfreie Spezialitäten ähnlich funktionieren wie Wein. Ich achte auf den Zuckergehalt, ob der Gerbstoffgehalt im Getränk hoch ist oder es viel Kohlensäure enthält. Geht es beispielsweise um Gemüse, dann sollte das alkoholfreie Pairing nicht zu viel Zucker mitbringen. Ansonsten verliert das Gemüse an Geschmack oder geht dieser sogar ganz verloren. Fisch sollte nicht zu viel Säure in der Getränkebegleitung haben. Obwohl ... es gibt ja auch den Tequila-Effekt.
Den müssen Sie uns erklären.
(lacht) Kurz und griffig: Passt eigentlich nicht, dann aber doch. Nehmen Sie das Gericht Ceviche. Dabei handelt es sich um rohen Fisch oder Meeresfrüchte, die mit Zitrussaft, Salz und Chilis kurz mariniert werden. Durch diesen Vorgang wird das Eiweiß im Produkt denaturiert, wie wir das nennen; Fisch und Meeresfrüchte schmecken durch den Prozess des Marinierens von der Textur her wie gekocht, sind aber nie mit Hitze in Berührung gekommen. Zu diesem Gericht, das also relativ viel Säure und Salz enthält, dürfte Tequila, der einen hohen Alkoholanteil hat, eigentlich gar nicht passen. Tut es aber doch, obwohl es der Theorie dessen, was wir in der Ausbildung lernen, widerspricht. Denn eigentlich verstärkt ein hoher Alkoholgehalt Säure, was ja nicht wünschenswert ist. Trotzdem passt’s.